Jury

Dana Buchzik, Marc Degens, Felix Fuchs, Kyra Alena Mevert und Tobias Roth sind super – und ganz folgerichtig die Jury des Superpreises. Kyra Alena Mevert wurde übrigens unter den ehrenwerten Leser_innen der Metamorphosen und des Prinzips der sparsamsten Erklärung ausgewählt. Unter anderem durch die Klassikertitelparodie „Fänger in Socken“ hat sie bewiesen, dass sie die sprachlich-literarische Expertise besitzt, um Teil der Jury zu sein. Like die Metamorphosen und Das Prinzip der sparsamsten Erklärung!


Kyra Alena Mevert (im Bild rechts, Foto: privat)

1991 in der Super-Stadt Braunschweig geboren. Hat früher mehr Theater gemacht. Ist seit Oktober 2015 an der Universität Hildesheim und dort zuständig für den nächsten Coming-of-Age-Hit. Lieblingsessen: Pommes mit Mayo. Freut sich riesig auf den Superpreis, denn der Preis ist super heiß. Schreibt auch gerne eigene Sachen, nur nichts mit Reimen.

1. Was war deine erste große literarische Entdeckung? 

„Sheltie – Kleines Pony, großer Traum!“ 

 2. Was liest du in der S-Bahn oder im Bus? 

Den What's App Chat des*der Mitreisenden neben mir. 

 3. Was sollte auf keinen Fall in einem Text stehen, der den Superpreis gewinnen will? 

Alles mit "Horizont". 

Dana Buchzik (Foto: Schall und Schnabel)

Dana Buchzik, geboren 1983. Hat in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert. Lebt jetzt – klischeegemäß – in Berlin. Arbeitet für FAZ, SPON, SWR, SZ, taz, WDR, WELT und ZEIT

Marc Degens (Foto: SuKuLTuR)

Marc Degens lebt in Toronto, Kanada. Er ist Schriftsteller, SuKuLTuR-Verleger und Minimore-Macher. Von 1996 bis 2015 hat er insgesamt 158 Bände der Heftreihen »Schöner Lesen« und »Aufklärung und Kritik« herausgeben, von der bis heute allein in Berliner Süßwarenautomaten über 100.000 Hefte verkauft wurden. Seine Romankolumne »Unsere Popmoderne« erschien von 2001 bis 2012 in der F.A.Z. und in Volltext. Zuletzt hat er die Romane Fuckin Sushi und Das kaputte Knie Gottes veröffentlicht. 2014 wurde er mit dem Hugo-Ball-Förderpreis ausgezeichnet. Seine Homepage ist unter www.marc-degens.de zu finden.

1. Was war deine erste große literarische Entdeckung?

Max Goldt. Es war sicherlich nicht meine erste große literarische Entdeckung, aber gewiss eine der prägendsten. Dieses Zusammentreffen von literarischem Anspruch und Humor, diese Verbindung aus grotesken Alltagsbeobachtungen und narzissistischer Selbstbespiegelung fand ich einfach umwerfend. Max Goldt bewies, dass man auch mit kleinen Formen, mit Kolumnen, Liedtexten und kurzen Dialogen, ein großer Schriftsteller sein kann.

2. Was liest du in der S-Bahn oder im Bus? 

Am liebsten Tageszeitungen, am meisten aber Tweets, E-Mails und Nachrichten auf dem Smartphone. Früher habe ich unterwegs viel mehr gelesen, inzwischen genieße ich es dagegen eher, nichts zu lesen und die anderen Leute zu beobachten.

3. Was sollte auf keinen Fall in einem Text stehen, der den Superpreis gewinnen will? 

Etwas, das ich vorher schon einmal woanders und womöglich auch noch besser gelesen habe.

Felix Fuchs (Foto: privat)

Felix Fuchs, 1988 in München geboren, hat 2013 sein Magisterstudium als Amerikanist an der Ludwig-Maximilians-Universität mit Auszeichnung abgeschlossen. Seit 2015 lebt er im Exil in Kanada, wo er als Doktorand und Lehrassistent am Lehrstuhl für Anglistik an der McGill University studiert und arbeitet. Sein Arbeitsbereich umfasst den englischsprachigen Roman im 20. Jahrhundert sowie Kritische Theorie und Ideologiekritik. Er hat mehrere Kurzgeschichten, Gedichte und Essays in Anthologien und online veröffentlicht, insbesondere in Parsimonie. Sein Gedicht »Hibernation« war 2014 auf der Shortlist für den Daniil Pashkoff Prize 2014. 

1. Was war deine erste große literarische Entdeckung? 

„Es ist mir jetzt völlig klar, daß die Grundlage für meine neue Existenz in den Strukturen dieser Stadt zu finden ist. Auf den ersten Blick sind sie nur ein Abbild von denen der Oberstadt, ein Spiegelbild gewissermaßen, verborgen unter den inneren Schichten.“ Ich war mit sechzehn ziemlich unbeleckt, was Literatur abseits der Deutschlektüre anging, und es mag daher nicht verwundern, dass meine erste Entdeckung mich fand und nicht umgekehrt. Als Teenager verkaufte ich Tickets und Postkarten an einem Kirchturm und hörte dabei aus Langweile viel Radio. Nachdem ich eines Samstags mehrfach den Sender gewechselt hatte, weil ich keine Ahnung hatte, worum es in dieser verdichteten Science Fiction Geschichte eigentlich ging, über die ich da gestolpert war, machte ich das Radio schließlich frustriert aus. Aber dann war ich auch bloß wieder in meinem Tickethäuschen allein mit meiner inneren Unruhe. Die monotone Erzählstimme ebbte in mir auf und ab und letztendlich schaltete ich das Radio wieder an, um den Roman zu Ende zu hören. In den darauffolgenden Tagen versuchte ich mit Hilfe von Zitaten, die ich mir gemerkt hatte, den Text ausfindig zu machen, aber es dauerte eine Weile, bis ich ihn endlich fand. Bis ich dann eine Ausgabe des Textes in die Finger bekam, vergingen sogar noch ein paar Jahre. Dann las ich und vergaß ich ihn erneut. Und erst vor kurzem kam er mir wieder in den Sinn, weil er nun in meine Dissertation zu passen scheint. Seit fast zwölf Jahren trage ich den Text mit mir herum, aber erst jetzt fange ich an ihn zu verstehen—nun da mir die Schlacht um Algier etwas sagt, mir Die Verdammten dieser Erde und Fanon ein Begriff sind: Mohammed Dibs Und ich erinnere mich an das Meer, eine phantasmagorische Erzählung über den algerischen Unabhängigkeitskrieg, durchsetzt mit Minotauren, Harpyien und gigantischen, sich stetig wandelnden Städten und umstürzenden Bauten. Eine wahnhafte Erzählung über die Schrecken des Krieges und der Kolonialherrschaft. Dibs Roman ist nicht meine erste große literarische Entdeckung, sondern schlicht der einzige Text, der mich nie losgelassen hat und nie loslassen wird. 

 2. Was liest du in der S-Bahn oder im Bus? 

Was lese ich nicht in der Metro oder im Bus? Die meisten meiner Freunde haben keinen Begriff davon wie groß Montreal ist, ich fahre regelmäßig anderthalb Stunden mit den öffentlichen durch die Gegend und korrigiere die Hausarbeiten meiner Studenten oder lese Texte für meine Seminare. Am liebsten sind mir aber Adorno, Benjamin, Jameson oder Raymond Williams. „Cultur is ordinary,“ schreibt Williams und hat damit Recht. Kulturraum sind nicht nur Bibliotheken und was nutzt es mir daher, wenn ich The Country and the City im beheizten Lesesaal auf dem Campus lese. Dann doch lieber Ideologiekritik für unterwegs, mitten im Fahrtlärm im Untergrund, zwischen Französisch und Englisch, Adorno: „Noch der Baum, der blüht, lügt in dem Augenblick, in welchem man sein Blühen ohne den Schatten des Entsetzens wahrnimmt; noch das unschuldige Wie schön wird zur Ausrede für die Schmach des Daseins, das anders ist, und es ist keine Schönheit und kein Trost mehr außer in dem Blick, der aufs Grauen geht, ihm standhält und im ungemilderten Bewußtsein der Negativität die Möglichkeit des Besseren festhält.“ 

 3. Was sollte auf keinen Fall in einem Text stehen, der den Superpreis gewinnen will? 

Ich habe da keine Liste mit Unwörtern oder sonst so einen Schmarrn, der automatisch disqualifiziert. Nazischeiß fliegt halt sofort raus, aber wem das nach dem Lesen der vorangegangen Absätze hier noch nicht klar war, dem ist ohnehin nicht helfen. Und davon abgesehen wäre mal ein Text ohne erzählendes Ich eine famose Abwechslung. 

Tobias Roth (Foto: privat)

Tobias Roth, geboren 1985 in München, studierte in Freiburg und Berlin und lebt als Autor, Literaturwissenschaftler und Übersetzer in Berlin und München. Seit 2011 Herausgeber der Berliner Renaissancemitteilungen, seit 2012 im Vorstand der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft. Seine Lyrik, Essais und Erzählprosa wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2007, 2009, 2011 im Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft Weimar, mit einem Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin (2010), dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis (2013) und dem Bayerischen Kunstförderpreis (2015). Im Verlagshaus Berlin erschienen 2013 der Gedichtband Aus Waben und der Essai Tradition. Gänge um das Füllhorn. Als Übersetzer trat er 2015 mit Bartolomeo Scappis Ein Mittagessen im Vatikan am 17. Januar 1576, erschienen bei SuKuLTuR Berlin, hervor. 

1. Was war deine erste große literarische Entdeckung? 

Die Frage kann in zwei Richtungen gehen. Einerseits, tatsächlich ganz gewöhnlich: Hesses Demian und Goethes Zauberlehrling. Heute gähnt man vielleicht darüber und wohl gähne ich da mit, aber es gibt den Moment, in dem das erstmalig und taufrisch einschlägt. Andrerseits und expeditionsmäßig: Zum ersten Mal das Gefühl, etwas entdeckt zu haben, hatte ich, als ich das Sonett „Vorrei saper da voj com'ella è fatta“ im Codex Vat.lat.9948 der Biblioteca Apostolica Vaticana, fol.82r, gelesen habe. Ein grandioses Teil, das durch eine Textlücke zwecks Schadstelle fast noch besser wird; anonym, grob fünfhundert Jahre alt, verschüttet in einer chaotischen Sammelhandschrift; aber diese Entdeckung war wohl nicht groß im eigentlichen Sinne.

 2. Was liest du in der S-Bahn oder im Bus? 

 Was ich ansonsten auch lese. 

 3. Was sollte auf keinen Fall in einem Text stehen, der den Superpreis gewinnen will?

Der Text muss super sein. Wenn allerdings ohne satirische Absicht das Wort "super" zu oft auftaucht, würde ich skeptisch. "Franz war ein super Fußballspieler" ist nicht so super. Dann schon lieber hyper, mega, monumental.